Das nationalsozialistische "Logenmuseum in Chemnitz".
Das nationalsozialistische „Logenmuseum in Chemnitz“.

Die dunkle Zeit – Gewalt, Verfolgung und Standhaftigkeit 

Ab 1931 eskalierten Angriffe nationalsozialistischer Kreise gegen Logen und ihre Mitglieder. Im März 1933 erzwangen SA Leute mit gezogener Pistole den Zugang zum Logenhaus in Düsseldorf und stahlen Logenakten. Die Repression nahm zu und wurde systematisch. Wie fast alle humanitären Logen vollzog Baldur die Selbstauflösung.

Bei der letzten Arbeit im April 1933 erinnerte und beauftragte der Meister vom Stuhl Br. Grohnert die Brüder:

„Durch Gewalt müssen wir weichen, unsere Herzen sind tief bewegt; denn es soll für unbestimmte Zeit die letzte Logenarbeit sein. Wir wollen aber die Fundamente des salomonischen Tempelbaus in uns tragen, um die Säulen von Weisheit, Stärke und Schönheit zu gegebener Zeit wieder aufbauen zu können. Man kann unsere Zusammenkünfte hindern, aber nicht unsere Einigkeit im Geiste. Man kann uns untersagen, daß wir uns Maurer nennen, aber nicht, daß wir es sind.“

Er schloss die Arbeit mit den Worten:

„Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben, bewahrt sie. Sie sinkt mit Euch, mit Euch wird sie sich heben.“

Quelle: Hannoverscher Kurier, Zeitung für Norddeutschland Reichs-Ausgabe Nr. 25/26 86. Jahrgang vom Mittwoch, den 17.01.1934 (deshalb gemeinfrei) Nachdruck in "Zeitzeugen" Nr. 6.
Quelle: Hannoverscher Kurier, Zeitung für Norddeutschland Reichs-Ausgabe Nr. 25/26 86. Jahrgang vom Mittwoch, den 17.01.1934 (deshalb gemeinfrei) Nachdruck in „Zeitzeugen“ Nr. 6.

Spätestens 1935 wurden auch alle anderen Logen aufgelöst. Die NSDAP funktionierte das Logenhaus in der Herrenstr. 9 in ein sog. Freimaurermuseum um. In Form einer Propagandaausstellung gegen die Freimaurerei wurde der internationale Bruderbund in abschreckender Weise dargestellt.

Trotz der Selbstauflösung der Loge Baldur wurden einige Brüder verfolgt. Berufsverbot, Hausdurchsuchungen, Selbstmord und Inhaftierungen in Konzentrationslager waren die Folge.

Aber die Brüder blieben standhaft. Die Bruderkette der Baldurianer riß nicht. Wem es möglich war, der nahm an den als Stammtisch getarnten Treffen der Brüder teil, wenn auch unter Beobachtung der GeStaPo. Wem es nicht möglich war, der erhielt codierte Briefe, da auch die Post von der GeStaPo eingesehen wurde. Dieser Zusammenhalt erlaubte es, dass kurz nach dem Krieg die Lichter der Freimaurerei in unserer Loge wieder entzündet wurden.